Anhörung zum Entwurf des neuen Gesetzes zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen

Am 19. Oktober fand die Anhörung der Fachverbände zum Entwurf eines neuen Gesetzes zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen auf Einladung des Familienministeriums statt. Auch der Careleaver e.V. hat teilgenommen! 

Den Moderatorinnen ist es gelungen, strukturiert alle Themen anzusprechen und dabei jeden Redebeitrag zu berücksichtigen. Zusammen mit 25 anderen teilnehmenden Verbänden tauschten wir uns angeregt und kritisch über den Referentenentwurf aus. Gerade bei den ersten beiden der fünf Punkte der Anhörung war es möglich, die Ansichten und Anmerkungen des Careleaver e.V. zu platzieren. Beispielsweise begrüßen wir, dass die Verantwortung für einen Zuständigkeitsübergang zukünftig beim Jugendamt liegen soll. Allerdings ist es unbedingt notwendig in diesem Paragraphen auch das Thema Beteiligung konkret zu erwähnen. Außerdem möchten wir Abstand nehmen von der Defizit- und hin zur Ressourcenorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe. Es geht beim Übergang in die Selbständigkeit nicht darum in das nächste Hilfesystem einzutreten, sondern darum selbständig zu werden. Deswegen muss das auch möglich sein und zwar dadurch, dass begonnene schulische oder berufliche Ausbildung oder Freiwilligendienste beendet werden können. Das bedeutet, dass diese anerkannt werden, um Hilfe zu gewähren – ohne weitere besondere Begründung und ohne Kraftaufwand.

Das sind nur zwei unserer Punkte, wenn ihr mehr über alle weiteren erfahren wollt, dann setzt euch gerne direkt mit uns in Verbindung (info@careleaver.de).

Die anwesenden Verbandsmitglieder waren mit vielen Veränderungen zufrieden und sehen Potential im Referentenentwurf. Es wurde jedoch auch viel konstruktive Kritik geäußert und Verbesserungsvorschläge eingebracht. Alles in allem war es eine produktive Anhörung.

Katharina Treyer, Referentin Koordinierungsstelle Careleaver e.V.

Interview mit Lee, Teilnehmer*in beim Regional-Gruppen-Treffen des Careleaver e.V. in Frankfurt:

Weshalb möchtest du eine Regionalgruppe in Kassel gründen?

Ich möchte in Kassel eine Regionalgruppe gründen, weil ich in den letzten Monaten gemerkt habe, dass mir der Zugang zu einem nicht weit entfernten Ort fehlt, an dem ich mich mit Menschen austauschen kann, die wie ich in der Jugendhilfe aufgewachsen sind.

Eine Regionalgruppe könnte nicht nur mir, sondern auch anderen Careleavern die Möglichkeit geben, in Austausch zu kommen, sich gegenseitig zu unterstützen und eventuell auch in Kassel gesellschaftlich Dinge zu thematisieren und zu verändern, was die Jugendhilfe angeht.

Was hast du am Wochenende mitgenommen, das dir bei der Gründung einer Regionalgruppe helfen kann?

Ich habe auf jeden Fall mitnehmen können, dass der Wunsch nach einer Regionalgruppe in Kassel sehr groß ist, weshalb ich erstens die Zuversicht habe, dass die Regionalgruppe Menschen aus der Jugendhilfe erreichen wird, was super ist. Aus den Arbeitseinheiten selbst habe ich gelernt, wo man eventuell eine Räumlichkeit für Treffen bekommt, welche Schritte man überhaupt erstmal einleiten muss, um eine funktionierende Regionalgruppe zu gründen und was man als Team bedenken muss, um Konflikte zu vermeiden. Dabei hilft zum Beispiel, dass man Regeln festlegt, die transparent sind und die konsequent befolgt werden und es ist wichtig, in der Gruppe feste Aufgaben zu verteilen und zu schauen, ob jede*r die Aufgaben auch bewältigen kann, zum Beispiel, wenn es um Finanzen geht.

Generell hat mir das Wochenende einen sehr klaren Blick auf die Gründung einer Regionalgruppe verschafft und ich freue mich, wenn es bald mit der Planung losgeht!

Lee ist 19 Jahre alt, studiert Bildende Kunst und lebt derzeit noch in einer Pflegefamilie

Nhi ist Mitbegründerin der RG München und berichtet vom Regionalgruppentreffen in Frankfurt

Das erste überregionale Treffen des Careleaver e.V. hat am Freitag, den 25.09. bis zum Sonntag, den 27.09.2020 in Frankfurt am Main stattgefunden. Daran teilgenommen haben Vertreter*innen unterschiedlicher Regionalgruppen, dessen Standorte in der gesamten Bundesrepublik verteilt sind.

An dem Treffen haben darüber hinaus auch Personen mitgewirkt, die eine Gründung einer Gruppe, die sich in Ihrer Region befindet, planen. In diesem Zusammenhang lässt sich festhalten, dass aktuell die Gründung einer Regionalgruppe in Kassel, sowie in München beabsichtigt sind.

Ich selbst habe das überregionale Treffen besucht, um nähere Informationen für die Gründung der Regionalgruppe in München zu sammeln. Denn bereits seit einem längeren Zeitraum beobachte ich, dass im Raum München der Bedarf nach einer Regionalgruppe, die von Careleavern selbst organisiert wird, groß ist.

Schließlich sind die Aufgaben, mit denen junge Menschen in der stationären Jugendhilfe auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit konfrontiert werden, herausfordernd. Im Gegensatz zu anderen Gleichaltrigen müssen sich Careleaver bereits in jungen Jahren häufig ohne familiären Rückhalt und wenig materiellen Ressourcen auf ein selbstständiges Erwachsenen-leben vorbereiten. Die daraus folgende soziale Benachteiligung von diesen jungen Menschen ist demnach ein Problem in unserer Gesellschaft und betrifft somit ebenfalls die bayerische Landeshauptstadt München – wo der Kontrast zwischen Arm und Reich besonders groß ist. In Bezug darauf lässt sich außerdem erkennen, dass in München die Thematik des „Leaving Care“ nach wie vor nur begrenzt Aufmerksamkeit erhält und dass für Münchner-Careleaver ein erfolgreicher Übergang in ein eigenverantwortliches Leben aufgrund der prekären Wohn-verhältnisse in München extrem herausfordernd ist.

Im Rahmen des überregionalen Treffens habe ich Einblicke in die Organisation und Struktur der bereits bestehenden Regionalgruppen des Careleaver e. V. erhalten. Außerdem habe ich erfahren, mit welchen Themen sich die anderen Regionalgruppen aktuell auseinandersetzen.

Durch das Wochenende in Frankfurt habe ich viele Informationen erhalten und Einblicke sammeln können, die zu einer erfolgreichen Gründung einer Regionalgruppe in München beitragen können.

Nhi ist 22, studiert im 7. Semester Soziale Arbeit und lebt seit drei Jahren nicht mehr in der Jugendhilfe

Das SOS-Kinderdorf Bremen richtet eine Anlauf- und Beratungsstelle für Careleaver ein

Careleaver müssen die Herausforderungen ihres Alltags in der Regel ohne familiäres Sicherheitsnetz bewältigen. Eine kleine Krise in der Partnerschaft, in der Schule oder Ausbildung, im Job, bei finanziellen Angelegenheiten oder vielem mehr, kann da schnell große Folgen haben.

Zunächst an zwei Tagen in der Woche können Careleaver in Bremen zwischen 16 und 27 Jahren künftig die kostenlose Beratung und individuelle Hilfestellung in Anspruch nehmen. „Es spielt dabei keine Rolle, von welchem Träger sie davor betreut wurden“, erzählt Lars Becker, Einrichtungsleiter des SOS-Kinderdorfes Bremen.

Das Team des SOS-Kinderdorfes Bremen möchte diese jungen Menschen durch das neue Angebot vor Überforderung, Vereinsamung und sozialen Notlagen bewahren. „Uns ist es wichtig, Careleaver nicht alleine zu lassen, wenn sie Unterstützung benötigen“, so Becker.

Die vier Fachkräfte, die die Beratung anbieten, arbeiten alle in unterschiedlichen Wohnformen des SOS-Kinderdorf Vereins und begleiten tagtäglich Jugendliche und junge Erwachsene auf ihrem Weg in die Selbständigkeit.

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Nähe Infos dazu über  www.sos-kinderdorf.de/kinderdorf-bremen

Das Beratungsteam der neuen Anlauf- und Kontaktstelle für Careleaver in Bremen.