Neues Positionspapier des Careleaver e.V

Mit dem Entwurf des neuen Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes besteht derzeit die Hoffnung, dass auch Deutschland sich dafür entscheidet, jungen Menschen einen guten und stabilen Start ins Erwachsenenleben zu ermöglichen, die nicht das Privileg haben, auf eine funktionale Herkunftsfamilie zurückgreifen zu können.

Ein wichtiger Knackpunkt ist dabei, ob die Hilfen für über 18-Jährige nur gewährt werden, wenn die jungen Volljährigen Defizite aufweisen. Oder ob – im Gegenteil – gerade eine positive Entwicklung, zum Beispiel ein angestrebter höherer Bildungsabschluss, nicht vielmehr ausschlaggebend dafür sein sollte, ob weiter Hilfe gewährt wird.

Sowohl bei unserer Anhörung im Bundestag als auch in der dazu veröffentlichten Stellungnahme, haben wir ausführlich auf die Fallstricke aufmerksam gemacht, die im bisherigen Gesetzesentwurf im Zusammenhang mit § 41 (Hilfen für junge Volljährige) bestehen.

Ausschlaggebend dafür, ob künftig mehr jungen Erwachsenen „Hilfen über 18“ gewährt werden, ist, ob es sich dabei um eine „Kann“- oder um eine „Soll“-Regelung handelt.

Leider geht die aktuelle Empfehlung des Bundesrats hier nun in die entgegengesetzte Richtung und droht die aktuell häufig rechtswidrige Praxis, jungen Menschen Hilfe vorzuenthalten, zu legalisieren.

Der Bundesrat empfiehlt im Zusammenhang in § 41 Abs. 1 S. 1 SGB VIII-E das Wort „gewährleistet“ durch die Wörter „erwarten lässt“ zu ersetzen. Mit folgender Begründung: „Die Hilfe für junge Volljährige ist verbindlicher ausgestaltet. Die gewählte Formulierung verdeutlicht, dass nicht in der Mehrzahl der Fälle generalisierend eine weitere Hilfe erforderlich ist, sondern jeder Einzelfall zu prüfen ist.“

Sollte der Bundestag dieser Empfehlung folgen, steht zu befürchten, dass zukünftig noch mehr junge Menschen mit ihrem 18. Geburtstag sich selbst überlassen werden. Damit würde das Gegenteil der ursprünglichen Intention des Gesetzesentwurfes erreicht.

Der Careleaver e.V. bekräftigt in seinem aktuellen Positionspapier seine Forderung nach gerechten Bildungschancen für Careleaver. Dies erfordert eine Umkehr von der defizitorientierten hin zur ressourcenorientierten Jugendhilfe und schließt die Forderung nach einem eigenen Rechtstatus für Careleaver mit ein.

Wir fordern, dass künftig niemand seinen Abschluss gefährdet, weil er*sie kurz vor  dem Abitur oder Ausbildungsabschluss die Jugendhilfe verlassen muss.

Wir fordern, dass Careleaver von ihren leiblichen Eltern freigestellt werden und damit zum Beispiel bei der Beantragung von Bafög oder Ausbildungshilfen nicht mehr auf die aktive Mitarbeit ihrer Eltern angewiesen sind.

Zudem könnten so Careleaver endlich von Unterhaltsleistungen für ihre leiblichen Eltern befreit werden – nicht ohne Grund haben Sie schließlich nicht bei ihnen, sondern in der stationären Jugendhilfe gelebt.

CareleavereV_Positionspapier_lang_02_2021

Der Jahresbericht 2020 ist da!

Mit dem Jahresbericht 2020 möchten wir Sie und euch an unserer Arbeit und am Vereinsgeschehen teilhaben lassen. Zudem sagen wir an dieser Stelle ganz herzlich Dankeschön für all die Unterstützung, die wir im vergangenen Jahr erhalten haben!

Bei Fragen und Rückmeldungen dazu können Sie sich und ihr euch gerne unter info@careleaver.de an uns wenden.

Careleaver_Jahresbericht_2020

Expert*innen in eigener Sache?! – Care Leaver als Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe

Du bist Careleaver?

Du arbeitest in der Kinder- und Jugendhilfe oder hast dies vor?

Oder Du studierst oder machst eine Ausbildung im sozialen Bereich,
hast Dich aber explizit gegen eine Tätigkeit in der Kinder- und Jugendhilfe
entschieden?

Dann bist du herzlich zum Workshop „Expert*innen in eigener Sache?! – Care Leaver als Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe“ eingeladen, der vom Bundesnetzwerk Careleaver Initiativen und CareHope veranstaltet wird.

Hier findest du weitere Informationen:

Einladung_CL_Fachkräfte_Workshop_März2021

SGB VIII Reform – Careleaver zeigen Gesicht

Am 22. Februar berät der Familienausschuss über den Entwurf des neuen Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes. Wir sind der Meinung, die Kostenheranziehung muss weg. Sie setzt in einer sensiblen Phase des Übergangs die falschen Anreize. Sie ist unsinnig, weil der dafür betriebene Verwaltungsaufwand nicht im Verhältnis zu den dadurch eingenommenen Geldern steht. Vor allem aber ist sie ungerecht. Weil sie ausgerechnet die jungen Menschen zusätzlich benachteiligt, die aufgrund ihrer Herkunft auf dem Weg in die Selbständigkeit zahlreiche Hindernisse zu überwinden haben.

Online-Fachtagung (Bald) volljährig!?  – Na dann mal ziemlich zügig“

Am 1. und 2. Februar 2021 fand online ein Fachtag mit dem Titel „(Bald) volljährig!?  – Na dann mal ziemlich zügig“ vom Landesjugendamt Rheinland-Pfalz statt. Das Interesse an dem Thema war groß und so fanden sich unter den Zuhörenden zahlreiche Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe. Die Betroffenenperspektive brachten Katharina Treyer und Marie Laser vom Careleaver e.V. ein. Katharina schilderte die Schwierigkeiten, die Careleaver erleben, gab aber auch Hinweise was Careleavern den Übergang erleichtert und erläuterte die Arbeit des Vereins. Marie ging auf die aktuellen rechtlichen Grundlagen und auf den Entwurf vom Gesetz zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen ein. Im Plenum wurde überlegt was jeder Einzelne aus den zwei Tagen mitnimmt und in seiner täglichen Arbeit mit Careleavern berücksichtigen will. Durch die unterschiedlichen Akteure wie Sozialarbeitende aus Wohngruppen, Careleaverprojekten und Jugendämtern, entstand ein interessanter Austausch, der verschiedene Perspektiven und Interessen widerspiegelte. Einige Fachkräfte und Einrichtungen waren sehr interessiert an einem weiteren Austausch mit dem Careleaver e.V., sodass wir hoffen, mit unseren Beiträgen etwas bewegt zu haben.