Stellungnahme des Dialogforums Pflegekinderhilfe zum Thema Leaving Care

Das Dialogforum Pflegekinderhilfe, indem auch wir vertreten sind, hat sich in der vergangenen Zeit intensiv mit dem Thema Leaving Care befasst und eine Stellungnahme erarbeitet, die den politischen und pädagogischen Handlungsbedarf ausdrückt. Die Stellungnahme finden Sie hier: Positionierung_Leaving Care_Dialogforum Pflegekinderhilfe.

Stellungnahme zur Empfehlung zur Kostenheranziehung

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter hat eine Empfehlung zur Kostenheranziehung erarbeitet. Diese betrifft auch junge Menschen in stationärer Hilfe selbst, die mit ihrem Einkommen und/oder Vermögen an den Jugendhilfekosten beteiligt werden. Damit wird das Sparen auf bestimmte Zwecke (z.B. Führerschein, Wohnungseinrichtung oder Kaution) verhindert und auch die Motivation, selbst Geld zu verdienen (im Rahmen eines Neben- oder Ferienjobs oder einer Ausbildung) stark eingeschränkt. Insgesamt werden die Ziele der Jugendhilfe durch die Kostenheranziehung untergraben und Selbständigkeit – auch in wirtschaftlicher Hinsicht – verhindert. Der Careleaver e.V. hat deshalb gemeinsam mit dem Landesheimrat Hessen eine Stellungnahme zur Empfehlung zur Kostenheranziehung erarbeitet. Diese finden Sie hier: Stellungnahme Kostenheranziehung.

Qualifizierung einer Einrichtung

Um ihre Erziehungsstellen im Bereich Leaving Care zu schulen, lud eine Einrichtung ein Netzwerkmitglied für einen Workshop ein. Die Erziehungsstelleneltern lernten dabei die besonderen Herausforderungen für Careleaver im Übergang kennen und entwickelten gezielte Ideen, wie dies innerhalb der Einrichtung besser abgefangen werden kann.

Careleaver bei den Jugendhilfeplanern

Die diesjährige Tagung der Jugendhilfeplanung in Baden-Württemberg stand unter dem Titel „Hilfen für junge Erwachsene in prekären Lebenslagen“. Nach einem Fachvortrag von Dr. Severine Thomas von der Universität Hildesheim gestalteten zwei Netzwerkmitglieder einen Workshop. Dabei brachten sie den Jugendhilfeplanerinnen und Jugendhilfeplanern näher, was aus Sicht von Careleavern notwendig ist, damit Jugendhilfe nachhaltig wirkt. Es zeigte sich, dass das Thema Leaving Care bei der Jugendhilfeplanung noch am Anfang steht und so wurde gemeinsam überlegt, wie die Anliegen vorangebracht werden können.

Teilnahme am Tag des Kindeswohls

Was brauchen Pflegekinder? Diese Frage stand im Mittelpunkt des diesjährigen „Tag des Kindeswohls“ in Holzminden, welcher von der Stiftung zum Wohl des Pflegekindes organisiert wurde. Verschiedene Professionen brachten ihr Wissen den ca. 350 Teilnehmern und Teilnehmerinnen in Vorträgen und Diskussionen näher. Auch zwei Vertreter des Careleaver-Netzwerkes waren anwesend und konnten in einer Podiumsdiskussion die Bedeutung des Übergangs in die Selbständigkeit darstellen.

Handlungsanregungen für Träger der diakonischen Erziehungshilfe in Württemberg

Bei der diesjährigen Klausurtagung der Träger der diakonischen Erziehungshilfe in Württemberg stand u.a. das Thema der jungen Erwachsenen in und nach der Jugendhilfe im Mittelpunkt. Neben den Ergebnissen des 15. Kinder- und Jugendberichts, welche durch einen Vertreter des Landesjugendamtes vorgestellt wurden, sollte auch die Perspektive der Betroffenen in den Blick genommen werden. Hierfür stellte ein Netzwerkmitglied die Careleaver-Forderungen vor und gab den ca. 40 Teilnehmenden aus der Fachpraxis konkrete Ideen, wie diese umgesetzt werden könnten. Besonders hinzuweisen bleibt auf die Themen der Partizipation und der bewussten Gestaltung von Übergängen durch die Fachkräfte. Dafür bedarf es insbesondere rechtskreisübergreifendes Wissen und entsprechende Kooperationen.

Mitarbeit im Dialogforum Pflegekinderhilfe

Wie geht es mit dem Dialogforum Pflegekinderhilfe weiter? Damit beschäftigen sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen bei der Sitzung in Berlin am 16.03.2018, bei der auch ein Vertreter des Careleaver e.V. anwesend war. Frau Dr. Schmid-Oberkirchner vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend verkündete, dass die neue Bundesregierung eine Fortführung des Forums begrüße. Somit wird das Thema Leaving Care als Querschnittsthema auch weiterhin auf der Agenda des Dialogforums Pflegekinderhilfe stehen, worüber wir uns sehr freuen!

Zu Gast beim Sozialausschuss der Bayrischen Landesregierung

Der Sozialausschuss der Bayrischen Landesregierung hat eine Vertreterin des Careleaver e.V. eingeladen, um die Situation der Careleaver darzulegen.

Diskutiert wurde, welche Weichen die Landesregierung durch Gesetze stellen kann, um den Übergang von der stationären Erziehung hin zu einem von der staatlichen Fürsorge unabhängigen Leben zu erleichtern. Sowohl die 75% Regel als auch elternunabhängige Unterstützungsangebote für Ausbildung oder Studium standen hier zur Debatte.

Vortrag bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder/Jugend/Familie von Bündnis 90/Die Grünen

Am 9. Dezember 2017 tagte die Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder/Jugend/Familie von Bündnis 90/Die Grünen in Köln. Unter dem Titel „Careleaver: Forderungen junger Menschen für die Jugendhilfe und die Zeit danach“ erläuterte eine Vertreterin des Careleaver e.V. die Positionen des Vereins. In diesem Rahmen kam es zu anregenden Dikussionen und so hoffen wir sehr, dass die Situation von Careleavern zukünftig auf politischer Ebene nicht nur wahrgenommen, sondern auch verbessert wird.

Stellungnahme zum Regierungsentwurf für das „Kinder‐ und Jugendstärkungsgesetz“ (KJSG) 30.05.2017

Wir haben uns nach Erscheinen des Regierungsentwurfs am 12.04.2017 auf unserem bundesweiten Careleaver-Netzwerktreffen in Hamburg vergangenes Wochenende zusammengesetzt und über den aktuellen Gesetzesentwurf diskutiert.

Mit Bestürzung haben wir die Stellungnahme von Fachausschüssen des Bundesrates vom 23.05.17 zum § 41 SGBVIII aufgenommen. Wir haben im bisherigen Gesetzgebungsverfahren sehr konstruktiv mit dem Familienministerium im Rahmen des Dialogforums Pflegekinderwesens und bei Fachausschusssitzungen sowie bei einem Hearing von Careleavern im Ministerium im Mai 2016 zusammengearbeitet und unsere Anliegen fanden starke Berücksichtigung und Zuspruch. Wir konnten unsere Anregungen zur positiven Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe einbringen. Viele der geplanten Änderungen können wir voll und ganz unterstützen.

Nun scheint aber der Bundesrat im Sinn zu haben uns im Regen stehen zu lassen. Deren Entwurfsvorschlag zur Änderung des §41 SGBVIII zu einer Kann-Regelung würde die teilweise prekäre Situation aller Careleaver stark verschlechtern.

 

 

 

Netzwerktreffen in Hamburg (26.-28.05.2017)