Stellungnahme Referent_innen‐Entwurf für das „Kinder‐ und Jugendstärkungsgesetz“ (KJSG) vom 22.03.2017

Zum aktuellen Referentenentwurf haben wir als Careleaver e.V. die Möglichkeit zur Stellungnahme an das BMFSFJ genutzt. Im Sinne einer Stärkung der Partizipation ist es uns besonders wichtig, die Perspektive der (ehemaligen) Adressat/innen der Kinder- und Jugendhilfe zu vertreten. Wir möchten mit dieser Stellungnahme auf vier Aspekte besonders eingehen.

>>Stellungnahme Careleaver e.V. SGBVIII

  • Übergangsmanagement (§ 36b) bzw. Übergangsplanung ist gut, aber nicht an die 17 geknüpft.

Prinzipiell stehen wir der Planung des Übergangs sehr positiv gegenüber. Viel zu oft hat ein schlecht geplantes und unkoordiniertes Hilfeende zu Schwierigkeiten im Übergang geführt. So standen viele von uns vor ungeklärten Finanzierungssituationen und wurden von Amt zu Amt geschickt. Wir würden eher den Begriff Übergangsplanung in Anlehnung an eine Hilfeplanung verwenden. Mit Planung meinen wir, dass es uns wichtig ist, dass es ein geplanter Prozess ist, in welchem klar ist, das das Jugendamt solange verantwortlich bleibt, bis die Anschlusshilfen und Finanzsysteme geklärt sind, so muss die Übergangsplanung auch noch 6 Monate nach Hilfeende weitergehen. Eine Übergangsplanung muss 6 Monate vor Beendigung bzw. vor Veränderung der Hilfe einsetzen, ganz unabhängig vom Alter. Mit der Formulierung „spätestens ab dem 17. Lebensjahr“ wird ein künstlicher Druck auf Beendigung zum 18. Lebensjahr erzeugt. Wir wollen aber nicht mit 18 Jahren aus der Jugendhilfe geschmissen werden.

  • Hilfen für junge Volljährige, Nachbetreuung nach §41 müssen weiter gestärkt werden.

Wir begrüßen die Coming-Back-Option. Für die meisten von uns war das Bett schon besetzt, wenn wir nochmals zurück in die Einrichtung wollten. Es muss aber auch die rechtswidrige Praxis in Deutschland, dass Hilfen mit dem Punkt 18 beendet werden weiterhin entgegen gewirkt werden. Hier wäre wünschenswert nochmals in der Kommentierung stärker zu verdeutlichen, dass es sich schon jetzt um einen Anspruch handelt. Wir würden des Weiteren befürworten, wenn nicht das 21. Lebensjahr sondern das 23. Lebensjahr ausschlagegebend wäre, um eine möglichst Gleichbehandlung zu jungen Erwachsenen, die bei Herkunftsfamilien aufwachsen und meist bis Mitte Zwanzig dort leben, zu gewährleisten.

  • Die Kostenheranziehung auf 50% ist lediglich ein Anfang. Hier ist weniger mehr für uns.

Wir freuen uns über die Auseinandersetzung der Anpassung und Senkung der Kostenheranziehung von jungen Menschen, die Leistungen der Jugendhilfe in Anspruch nehmen. 50% ist für uns ein Schritt in die richtige Richtung. Erstrebenswert ist unseres Erachtens jedoch eine weitere Reduktion bei der Kostenheranziehung, um jungen Menschen in der Jugendhilfe die Möglichkeit zum Sparen zu geben und den Anreiz Arbeiten zu gehen nicht zu schmälern. Insbesondere für Tätigkeiten im sozialen Bereich, wie FSJ oder ähnliches sollte von den 50%-Zahlungen ganz abgesehen werden. Nach wie vor braucht es Ermessensspielräume die gesetzlich verankert sind. Aus unserer eigenen Erfahrung ist es wichtig über Nebenjobs und soziales Engagement Netzwerke aufzubauen, seine Kompetenzen zu erweitern und das nötige Vitamin B für einen besseren Start ins Leben zu erhalten.

  • Selbstorganisation stärken auf jeden Fall, aber auch für Careleaver!

Selbstorganisation hat für uns eine besondere Relevanz. Daher begrüßen wir die Stärkung der selbstorganisierten Zusammenschlüsse von jungen Menschen durch eine neue Beratungsfunktion in „Jugendhilfeausschüssen und Landesjugendhilfeausschüssen“ (§ 71). Jedoch reicht das unseres Erachtens nicht aus. Auch junge Erwachsene, die in der Jugendhilfe gelebt haben, sollten diese Beratungstätigkeit wahrnehmen können. Wir bitten um die Ergänzung des Satzes „…die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe erhalten, oder erhalten haben.“

Generell ist uns die Beteiligung von jungen Menschen in und nach der Jugendhilfe ein wichtiges Anliegen, daher begrüßen wir den uneingeschränkten Beratungsanspruch nach § 8. Auch die bundesweite Schaffung von Ombudstellen ist aus unserer Erfahrung dringend notwendig und sollte jedoch von der Kann-Bestimmung zu einer flächendeckenden Angebotsstruktur ausgebaut werden. Für viele junge Menschen ist die Hürde zu hoch, um sich an eine Landesstelle zu wenden. Bei einer Beteiligung ist uns jedoch wichtig, dass die Anonymität und der Schutz der Kinder- und Jugendlichen gewährt bleibt, z.B. bei der Prüfung der Betriebserlaubnis und den Einzelgesprächen (§ 46 Abs. 3).

Wir hoffen unsere Anregungen finden Berücksichtigung im Gesetz und verbleiben mit freundlichen Grüßen.

Careleaver e.V.

 

Einladung zur EmMi Luebeskind-Fachtagung am 28.04.2017

Herzliche Einladung für Careleaver zur EmMi Luebeskind-Fachtagung und für ein Wochenende nach Berlin zu kommen
im BMFSFJ am 28. April 2017 von 11:00-14:00 in Berlin

>>Zur Einladung und Programm
Die Gemeinnützige Gesellschaft EmMi Luebeskind lädt Careleaver aus dem gesamten Bundesgebiet zur Fachtagung „Der Kinder- und Jugendhilfe entwachsen“ am 28. April 2017 (Freitag) nach Berlin ein.
Um auch Careleavern, die nicht in Berlin oder Umgebung wohnen, die Teilnahme an der wichtigen Tagung im Bundesministerium zu ermöglichen, bietet die EmMi Luebekind den auswärtigen Careleavern an, sich bei diesen an den Fahrtkosten zu beteiligen.
Falls die auswärtigen Gäste die Tagung zudem dazu nutzen möchten, das sich daran anschließende Wochenende in Berlin zu verbringen, dann erklärt sich die EmMi Luebeskind auch dazu bereit, sich ebenfalls an den Übernachtungskosten zu beteiligen bzw. auf Wunsch Übernachtungsmöglichkeiten zu vermitteln.

InteressentInnen mögen sich bitte (formlos) per E-Mail anmelden: „info@stiftung-emmi-luebeskind.de“ Bitte notieren Sie in Ihrer Mail Ihre Erreichbarkeiten (auch Mobiltelefon) sowie ggf. Ihren Wunsch auf Kostenbeteiligung durch die EmMi Luebeskind.
Da die Zahl der Plätze im Bundesministerium begrenzt ist, bitten wir um Verständnis dafür, dass wir diese nach Eingang der verbindlichen Anmeldungen vergeben.

Einladung zu unserem Bildungsworkshop vom 02.-05. Juni in Tübingen

Bildungsworkshop: Bildungshunger und Wissensdurst sind keine Dickmacher!

zur Einladung: Einladung_Bildungsworkshop in Tübingen

Wir laden dich ein, mit uns ein entspanntes Wochenende vom 02.-05. Juni 2017 in Tübingen zu verbringen und dich mit folgenden Fragen zu beschäftigen:
…was ist Bildung?
…wo begegnet oder begegnete mir Bildung in meiner Einrichtung?
…wo kann ich Bildung außerhalb von Schule und Einrichtung erfahren?
…was wünsche oder wünschte ich mir in meiner Einrichtung an Bildungsmöglichkeiten?

An diesem Wochenende wirst du Jugendliche und Erwachsene kennenlernen, die auch in einer Einrichtung/Pflegefamilie leben oder lebten und von den Vor- und Nachteilen unseres Bildungs- und Jugendhilfesystems berichten können. Es nehmen zwei Referentinnen teil, die dir helfen, dein Recht auf Bildung durchzusetzen, egal in welcher Lebensphase du dich befindest. Bei Fragen zum Workshop kannst du dich jederzeit bei uns melden.

Zielgruppe: Care Receiver (Jugendliche ab 16 Jahren) und Careleaver (Erwachsene, die die Jugendhilfe bereits verlassen haben)
Gastgeber: Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH) und Careleaver e.V.
Ansprechpersonen: Stefan Wedermann (stefan.wedermann@igfh.de) und Robin Loh (stuttgart@careleaver.de)
Termin: 02.-05. Juni 2017
Tagungsort: Jugendherberge Tübingen, Hermann-Kurz-Straße 4,
72074 Tübingen
Teilnahmegebühr: Die Teilnahme ist kostenfrei. Verpflegung, Unterkunft und Fahrtkosten werden übernommen.
Anmeldefrist: 02. April 2017

Anmeldung bitte per E-Mail an Stefan Wedermann/Robin Loh

Einladung zu unserem ersten internationalen Careleaver Netzwerktreffen

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An alle ehemaligen Heim- und Pflegekinder

Wir laden euch herzlich zu unserem ersten internationalen Careleaver Netzwerktreffen vom 10.03.- 12.03.2017 in Hildesheim ein.

Eine Gruppe Niederländischer Careleaver möchte sich mit uns über die Situation von Heim- und Pflegekindern in den jeweiligen Ländern austauschen.

Wir wollen mit vereinten Kräften daran arbeiten, die von uns erarbeiteten Kinder- und Jugendhilfestandards europaweit zu etablieren. Als Vorlage dafür nehmen wir die Forderungen auf dem Positionspapier des Careleaver e.V.‘s und die auf dem FICE Kongress 2017 in Wien vorgestellten Standards, welche von Careleavern aus aller Welt während ihrer Youth Exchange Week vor dem Kongress erstellt wurden.

Wir wollen gegenseitig voneinander lernen, wie wir uns bisher für mehr Mitspracherecht in politischen Entscheidungsprozessen von Adressaten der Kinder- und Jugendhilfe eingesetzt haben und wo wir unsere Erfolge darin bisher sehen.

Dabei soll der Spaß nicht zu kurz kommen – der Careleaver e.V. lädt Samstagabend zum Essen ein und auch zwischen den Arbeitsgruppen soll Zeit zum gegenseitigen Kennenlernen und Kontakte knüpfen nicht zu kurz kommen.

Anmeldungen per Email bei Katharina Mangold: katharina.mangold@uni-hildesheim.de

Der Careleaver e.V. und die Initiatoren des Niederländischen Careleaver Teams freuen sich auf Euer kommen!

Ps.: Am Freitag, dem 10.03.2017 ist Anreisetag. Schön wäre es, wenn ihr ab 19:00 Uhr da sein könnt – jedoch wissen wir, dass das vielen aufgrund der Distanz und ihrer Aufgaben nicht möglich ist. Ihr kommt Freitag also so spät wie notwendig an. Freitagabend sind Kennenlernen und Essen die einzigen Programmpunkte J – richtig gearbeitet wird erst ab Samstagmorgen. Der genaue Programmablauf wird den Teilnehmern und Teilnehmerinnen zu geschickt, sobald er endgültig steht. Bitte meldet euch möglichst bald an und bucht eure Tickets nach Hildesheim – wir können dann besser kalkulieren und meistens sind die Fahrtkosten dann auch günstiger. Wir erstatten wie immer den Fahrpreis.

Einladung internationales Netzwerktreffen

Übergang ins Erwachsenenalter: „Care Leaver“ brauchen Unterstützung

Am 18.11.2016 fand ein von der Universität Hildesheim ausgerichteter Fachtag zum Thema Hilfen für junge Volljährige – Probleme, Rechtsverwirklichung und die Zukunft des § 41 SGBVIII statt. Wir waren eingeladen und konnten unsere Forderungen mit einem Statement einbringen.

Alle Beteiligten fordern, dass die gegenwärtigen Reformen in der Kinder- und
Jugendhilfe dahingehend zu prüfen sind, ob sie die Rechte für junge Volljährige
transparenter machen und vor allem die Durchsetzungskraft in allen Kommunen
verstärken. Es sind starke Rechtsansprüche für diese jungen Volljährigen
notwendig, damit sie den Übergang ins Erwachsenenleben wie andere junge
Menschen auch gestalten können.

Weitere Infos können der Pressemitteilung entnommen werden: presseinfo-20161125_care-leaver-jugendhilfe_rechtsanspruch

Teilnahme am Vormundschaftsfachtag in Berlin

Am 10. und 11. November 2016 fand in Berlin ein Fachtag statt unter dem Titel „Neu Maß nehmen! Zukunftsperspektiven der Vormundschaft“. Die Veranstaltung wurde von der Arbeitsgruppe Fachtagungen Jugendhilfe (AGFJ) des Deutschen Institut für Urbanistik und dem Deutschen Institut für Jugendhilfe und Familienrecht durfoto1chgeführt (DIJuF). Um einen Workshop zu gestalten und einen Vortrag im Plenum zu halten, waren auch zwei Careleaverinnen aus unserem Netzwerk anwesend. Gemeinsam wurde erarbeitet, wie Vormünder ihre Mündel unterstützen können auf dem Weg in die Selbständigkeit.

Appel an Ministerpräsidentenkonferenz

Bei der aktuellen Ministerpräsident_innen Jahreskonferenz hat Bayern einen Vorschlag vorgelegt, die Standards und Rechtsansprüche für UmA und junge Volljährige in der Jugendhilfe abzusenken. Dagegen positionieren sich über 40 Fachverbände der Kinder- und Jugendhilfe deutlich. Auch wir als Careleaver e.V. lehnen diesen Vorschlag entschieden ab. Wir wollen eine gerechte Zukunft für alle Kinder und Jugendlichen in der Jugendhilfe!

Hier gehts zum Apell: appell-an-jahreskonferenz-der-regierungschef_innen_top-2-2_26-10-2016

Der Beschlussvorschlag von Bayern ist unter http://kijup-sgbviii-reform.de/wp-content/uploads/2016/07/TOP-2.2_Beschlussvorlage-BY_24.10.2016.pdf abrufbar.

verbaende

FICE Award 2016

Wir freuen uns wirklich sehr, dass wir den diesjährigen FICE Award erhalten haben! FICE (FédératioFICE Awardn Internationale des Communautés Educatives) ist ein internationales Netzwerk, das sich für die Verbesserung der außerfamiliären Erziehung einsetzt. Mit dem Preis, der von nun an alle drei Jahre verliehen werden soll, werden besondere Innovationen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe ausgezeichnet. Der FICE Award wurde im August in Wien übergeben und ist mit 2.000 Euro dotiert.

Wir danken allen, die das Careleaver Netzwerk unterstützen!

Deutscher Kinder- und Jugendhilfepreis 2016

wir sind unheimlichlogo-agj stolz den Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreis (Hermine-Albers-Preis) in der Praxis Kategorie erhalten zu haben! Der Preis wird alle zwei Jahre von den Obersten Jugend- und Familienbehörden der Länder gestiftet und von der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (www.agj.de) mit Sitz in Berlin verliehen und ist mit 4.000 Euro dotiert.

Unser Dank gilt den Mitgliedern unseres Vereins sowie den zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützern des Careleaver-Netzwerks.

Zusammen mit uns erhalten Dr. Thomas Mühlmann (Theorie- und Wissenschaftspreis), Dr. Mirjana Zipperle(Anerkennung in der Kategorie Theorie- und Wissenschaftspreis),  Journalist Thomas Rautenberg (Medienpreis) und Birgit Lutz (Anerkennung in der Kategorie Medienpreis)

Offizielle-Pressemitteilung: PM_ DJHP2016

Macht und Ohnmacht – Jugendhilfetag in Hildesheim

Unter dem Motto „Macht und Ohnmacht in den Erziehungshilfen“ fand am 14.06.2016 der 6. Hildesheimer Jugendhilfetag statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung führten drei Careleaverinnen eine Arbeitsgruppe durch. Sie zeigten das Machtgefälle aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen auf und erarbeiteten gemeinsam mit den Fachkräften Möglichkeiten zur gelungenen Beteiligung.