1. Herausforderung im Übergang von der Jugendhilfe in die Hochschule

Nach der Jugendhilfe und mit 18 ist man doch selbständig, da stehen doch alles Studis auf eigenen Beinen!

Tja, aber am Wochenende fahren viele Kommilitoninnen „nach Hause“, die Wäsche wird von Mama gewaschen und falls der Laptop verreckt, springt im Notfall die Familie ein und an Weihnachten ist die Studi-WG garantiert ausgestorben…

Die Lebenssituation von jungen Menschen, die in der stationären Jugendhilfe (Wohngruppen, Pflegefamilien usw.) aufgewachsen sind, gestaltet sich insbesondere im Übergang aus der Jugendhilfe in die Selbständigkeit, z.B. ins Studium, als besondere Herausforderung. Sie müssen den Übergang in Selbständigkeit im Gegensatz zu ihren Peers früher, schneller und in der Regel ohne familiäre Unterstützung bewältigen (vgl. Köngeter/Schröer/Zeller 2013). Studien über den Übergang ins Studium zeigen z.B., dass ihre Altersgenossen in dieser Phase wieder vielfältig auf die Unterstützung ihrer Eltern zurückgreifen.

Eurostat Pressestelle 2009: Jugend Europa

Eurostat Pressestelle 2009: Jugend Europa

Anhand einer Studie des Sozialfonds der Universität Lübeck gGmbH (2013) kann gezeigt werden, dass 79% der befragten Studierenden angeben, ihr Studium und ihren Lebensunterhalt hauptsächlich durch ihre Eltern finanzieren können. Die elterliche Unterstützung schätzen sie somit als unverzichtbar an. Durchschnittlich leben 23% der Studierenden bei ihren Eltern. Quer zum jeweiligen Bildungshintergrund liegt das durchschnittliche Auszugsalter in Deutschland bei 24 Jahren bei jungen Frauen und 25 Jahren bei jungen Männern (Eurostat Pressestelle 2009). Allein mit diesem Blick in die statistischen Daten kann deutlich gemacht werden, dass die Übergangssituation sich für Care Leaver anders gestaltet, weil sie vielfach mit 18 Jahren aus der Wohngruppe ausziehen und i.d.R. nach Beendigung der Hilfe dort keine verlässliche Anlaufstelle mehr finden.