5. Forderungen an die Hochschulen

Positionspapier zum Download: Forderungen an Hochschulen

Die Anforderungen des Studiums, der damit verbundene Leistungsdruck, bringt einige der interviewten Care Leaver an ihre Grenzen. Dabei entsteht die Gefahr, den einzelnen Studierenden mangelnde Leistungsfähigkeit zu attestieren und – wie häufig in unserem Bildungssystem – Bildungsversagen zu individualisieren. Zu selten wird der Blick auf die Lebensbedingungen der Studierenden gerückt. Hier gilt es gesellschaftlich und hochschulpolitisch auf die Heterogenität der Studierendenschaft hinzuweisen bzw. mehr Heterogenität an Hochschulen zu ermöglichen. Hochschulen, so Seidel (2014), gehen nach wie vor von „traditionellen“ Studierenden aus und orientieren sich an diesen. Studierende, die nicht in diese „Normalitätserwartungen“ passen, müssen mit entsprechenden (homogenisierenden) Maßnahmen vereinheitlicht werden.

  • Finanzielle Unterstützung:
    Das Etablierung und Bekanntmachung des bereits erwähnt Formblatt 8 bezüglich Vorausleistungen (§ 36 BAföG) kann hierbei nur ein erster Schritt sein. Care Leavern sollte aufgrund ihrer Lebenssituation nicht bei ihren Eltern aufgewachsen zu sein stets
    elternunabhängiges BAföG gewährleistet werden, d.h. zu den bereits existenten Kriterien wie beispielsweise „Zweiter Bildungsweg“ oder „nach fünf-jähriger Berufstätgikeit“ (vgl. § 11 BAföG) sollte eine stationäre Jugendhilfemaßnahme als Grund zur Bewilligung elternunabhängigen BAföGs ergänzt werden. Darüber hinaus sollte der BAföG-Antrag umgehend – bzw. bereits vor Studienbeginn – bearbeitet werden, da Finanzierungslücken von Care Leavern nicht ausgeglichen werden können.
    Care Leaver sollten bei der
    Vergabe von Stipendien als Personengruppe stärker berücksichtigt werden. Ebenso bedarf es – über Sozialfonds o.ä. – schneller und unbürokratischer Hilfeformen, die in konkreten Notsituationen vorübergehend genutzt werden können.

  • Sicherer Wohnheimplatz:
    Aufgrund der Lebenssituation nicht vorübergehend bei der Herkunftsfamilie einziehen zu können, muss die Unsicherheit im Übergang an die Hochschule auch in Bezug auf einen sicheren Wohnort verringert werden. Care Leaver sollten daher bei der Vergabe von Wohnheimplätzen bevorzugt werden.
  • Ansprechpartner_innen:
    Care Leaver müssen in Hochschulen
    verlässliche Ansprechpartner_innen vorfinden, die sich mit ihrer Lebenssituation auskennen – dies ist sowohl in BAföG-Ämtern notwendig als auch in der Allgemeinen Studienberatung erforderlich. Damit hätte die Praktik des Hin-und-Her-Verwiesen-Werdens ein Ende. Darüber hinaus sollten sich in jedem Fachbereich Vertrauensdozent_innen für die Angelegenheiten der Studierenden einsetzen und innerhalb des Studienfaches als Ansprechperson zur Verfügung stehen – auch über Studieninhalte hinaus. Da der Übergang ins Studium von vielfältigen Herausforderungen geprägt ist, muss insbesondere im Übergang ein Peer-Mentor_innen-Programm für Care Leaver (oder auch hier wieder: für alle, die es wünschen) etabliert werden.