"Ein System, das auf Glück basiert, ist kein System"

Rückblick der Orga-Gruppe auf die AGJ-Transfertagung

Die diesjährige AGJ Transfertagung, die vom 30. – 31. Mai 2022 stattfand, befasste sich mit dem Thema „Rechtsanspruch Leaving Care vor Ort verbindlich gestalten“.

Es kamen Fachkräfte aus Wohlfahrtsverbänden, der öffentlichen Jugendhilfe, der freien Jugendhilfe sowie Careleaver aus ganz Deutschland im Hotel Rossi in Berlin zusammen, um gemeinsam Lösungen und Forderungen zu erarbeiten, die zur praktischen Umsetzung des neuen Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes (KJSG) in Kommunen, Kreisen und Gemeinden beitragen sollen.

Die Teilnehmer informierten sich gegenseitig über den bisherigen Stand der Umsetzung, tauschten sich über ihre bisherigen Erfahrungen mit dem neuen KJSG aus und diskutierten. Dabei wurden gemeinsam Schlüsse gezogen und neue Möglichkeiten entdeckt, wie der Übergang aus der Jugendhilfe in die Eigenständigkeit künftig verbessert werden kann.

Durch einen dort präsentierten Film zum Thema Rechte, den der Careleaver e.V. extra für die Tagung erstellt hat, konnten sich Careleaver vielstimmig Gehör verschaffen und das Thema Rechte anschließend im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft vertiefen.

Während der großen Podiumsdiskussion, an der auch etliche Mitglieder des Careleaver e.V. beteiligt waren, waren sich alle einig, dass die Jugendhilfe nicht auf Glück basieren darf.

Die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion haben durch das Teilen ihrer Erfahrungen und ihre Expertise bei den Zuhörerinnen einen prägenden Eindruck hinterlassen und dafür viel positives Feedback erhalten.

Weitere Impulse auf der Tagung kamen vom SOS Kinderdorf e.V., von Dirk Nüsken (Professor der Evangelischen Hochschule Westfalen-Lippe), von Gila Schindler (Rechtsanwältin für Sozialrecht) und von Kiaras Gharabaghi (Ryerson University Toronto).

An beiden Tagen fanden neben den Arbeitsgemeinschaften jeweils Kurzimpulse zu verschiedenen Themen ab, zum Beispiel die wichtigsten sechs Rechte als Careleaver oder „good practise“ Beispiele für die Übergangsgestaltung. Diese Impulse wurden immer gemeinsam von Fachkräften und Careleavern durchgeführt.

Die Teilnehmenden nehmen Tipps und die erarbeiteten Lösungsvorschläge mit, vor allem aber auch den Elan, der sich während der Tagung entwickelte. Der wird uns allen helfen, auch weiterhin unsere Stimme zu erheben, laut zu bleiben und für unsere Rechte einzustehen!

Auch die Vorsitzende des FSFJ Bundestagsausschusses, Ulrike Bahr, zeigte sich sehr beeindruckt von den Ergebnissen dieser Veranstaltung und versprach diese in ihre Arbeit mitzunehmen.

In diesem Sinne, bleibt alle hart motiviert!!

In einer Jugendhilfeeinrichtung leben zwei Jugendliche, die von unterschiedlichen Jugendämtern betreut werden. Jugendlicher A bekommt seine Heimfahrten vollständig bezahlt. Jugendlicher B muss seine Heimfahrten zum Teil mit seinem Taschengeld finanzieren, weil sein Jugendamt die Heimfahrten nicht vollständig übernehmen möchte.

Fazit: Jugendämter handhaben die Regelungen/Gesetze des SGB VII unterschiedlich, da die Kommunen unterschiedliche finanzielle Mittel zur Verfügung haben. Jugendlicher A hat Glück, Jugendlicher B hat kein Glück.

AGJ Transfertagung
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