Vortrag beim Fachtag für Jugendamtsleiter

Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge hat sich im Rahmen der digitalen Fachveranstaltung „Aktuelle fachliche, fachpolitische und rechtliche Entwicklungen in der Kinder- und Jugendhilfe“ auch und insbesondere mit dem Thema Leaving Care beschäftigt. Als Referentin war auch ein Netzwerkmitglied dabei, das die Sichtweise von Betroffenen einbrachte. Dafür wurde die anstehende Gesetzesreform kritisch beleuchtet und Hinweise an die teilnehmenden Leitungen der Jugendämter gegeben, wie junge Menschen im Übergang in die Selbständigkeit nachhaltig unterstützt werden könnten.

 

17. Expertengespräch: Wendepunkt für Careleaver*innen

Mit zwei Impuls-Vorträgen hat sich der Careleaver e.V. beim 17. Expertengespräch des Dialogforums „Bund trifft kommunale Praxis“ beteiligt, zu dem das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und .Jugend gemeinsam mit dem Deutschen Instituts für Urbanistik eingeladen hat.

Ruth Seyboldt (1. Vorsitzende des Careleaver e.V) brachte die Perspektive aus Sicht von Careleavern ein. Was brauchen Careleaver, um den Übergang aus der Jugendhilfe gut meistern zu können? Und wie werden diese Bereiche im aktuellen Referentenentwurf zum neuen KJSG bisher berücksichtigt?

Andrea Edler (Vorstandsreferentin Careleaver e.V) stellte unter dem Titel: „Verselbständigung – nicht allein (ge)lassen“ die Angebote des Vereins für Careleaver vor und berichtete über die Arbeit der Koordinierungsstelle.

Stellungnahme des Dialogforums Pflegekinderhilfe

Die Initiative „Dialogforum Pflegekinderhilfe“ setzt sich seit 2015 im Dialog mit den unterschiedlichen Akteur*innen in der Pflegekinderhilfe dafür ein, fachliche Handlungsbedarfe und gesetzliche Änderungsbedarfe herauszuarbeiten. Bereits im Rahmen des ersten Gesetzgebungsverfahrens zu einem Kinder- und Jugendstärkungsgesetz 2017 hat das Forum sich mit Empfehlungen für den Bereich Pflegekinderhilfe eingebracht. Jetzt liegt auch die Stellungnahme zum aktuellen Referent*innenentwurf zum KJSG vor. In vielen Bereichen decken sich die Forderungen des Forums mit denen des Careleaver e.V. Zum Beispiel fordert auch das Forum Pflegekinderhilfe die vollständige Abschaffung der Kostenheranziehung. Stellungnahme_des_Dialogforum_Pflegekinderhilfe_Referent_innen_Entwurf_SGB_VIII__2020_

SGB VIII Reform

Die Verabschiedung des im Zuge der SGB VIII Reform entwickelten neuen Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes (KJSG) nimmt derzeit Fahrt auf. Nachdem das Bundesfamilienministerium Anfang Oktober den Referentenentwurf veröffentlicht hat, haben inzwischen etliche Fachverbände und Initiativen Stellung bezogen. Auch der Carelever e.V.

Mitglieder des Careleaver e.V. werden deshalb in den kommenden Wochen hier Gesicht zeigen und darlegen, weshalb die im neuen Gesetz angekündigten aber auch noch darüber hinausgehende Änderungen dringend nötig sind.

Was nicht wieder passieren darf! Erklärung von ForumTransfer zur 2. Welle

„Forum Transfer“ ist eine Plattform, die sich mit Beginn der Corona-Pandemie für innovative Konzepte und Zugänge in der Kinder- und Jugendhilfe einsetzt und den Praxisaustausch fördert. In ihrer Erklärung zur 2. Welle zieht das Forum Bilanz zu den Erfahrungen aus den vergangenen sechs Monaten. Fazit: Es braucht eine Digitalisierungsstrategie, um den Kontakt in der Kinder- und Jugendhilfe auch unter Pandemiebeschränkungen aufrecht erhalten zu können. Außerdem fordert das Forum einen niedrigschwelligen Zugang zum Kinderschutz und dass neben den Kindertagesstätten und Schulen auch alle präventiv und alltagsunterstützend ausgerichteten Einrichtungen und Dienste der Kinder- und Jugendhilfe offenbleiben. „Die Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit müssen Konzepte aus dem Frühjahr wieder nutzen und offenbleiben. Letztlich werden die Angebote noch mehr gebraucht als in den Sommermonaten“, betont Wolfgang Schröer von der Universität
Hildesheim.

Forum Transfer Erklärung:
Die Kinder- und Jugendhilfe in der 2. Welle. Was nicht wieder
passieren darf!

Forum Transfer_Erklärung_zur 2. Welle_2020

Careleaver-Song: Wir sind Careleaver und sprechen über unsere Recht

Das Recht durchzieht die Kinder- und Jugendhilfe in allen Arbeitsfeldern – bei den Hilfen zur Erziehung, der Kostenerstattung sowie der Kostenbeteiligung. Dieser rechtliche Rahmen nimmt Einfluss auf die Praxis der Kinder- und Jugendhilfe. Umgekehrt werden aber auch aus der Praxis rechtliche Weiterentwicklungen angestoßen.

Wo und wie die beiden Ebenen zusammenwirken und was die im Zuge der SGBV III Reform angekündigten Gesetzesänderungen für Auswirkungen auf die Praxis haben werden, darüber sprachen Careleaver bei einem Workshop mit dem Jugendhilfe-Rechtsexperten Dr. Thomas Meysen.

Es war ein arbeitsintensives Wochenende, auf dessen Grundlage die Stellungnahme entstand, die bereits erfolgreich im Rahmen einer Anhörung des Familienministeriums präsentiert wurde.

Heute möchten wir aber noch ein weiteres Produkt unserer Zusammenkunft mit euch teilen. „Und so ganz spontan ist am Samstagabend beim geselligen Beisammensein mit Gitarre der Careleaver-Song entstanden“, schreibt uns Melanie Overbeck, die den Workshop federführend mit initiiert hat. „Den Song haben wir unter dem Eindruck des frischen Inputs zur SGB VIII Reform verfasst, so dass er viele Elemente enthält, die für uns als Verein in diesem Reformprozess wichtig sind.“

Careleaver Song.pdf

Anhörung zum Entwurf des neuen Gesetzes zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen

Am 19. Oktober fand die Anhörung der Fachverbände zum Entwurf eines neuen Gesetzes zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen auf Einladung des Familienministeriums statt. Auch der Careleaver e.V. hat teilgenommen! 

Den Moderatorinnen ist es gelungen, strukturiert alle Themen anzusprechen und dabei jeden Redebeitrag zu berücksichtigen. Zusammen mit 25 anderen teilnehmenden Verbänden tauschten wir uns angeregt und kritisch über den Referentenentwurf aus. Gerade bei den ersten beiden der fünf Punkte der Anhörung war es möglich, die Ansichten und Anmerkungen des Careleaver e.V. zu platzieren. Wir begrüßen ausdrücklich, dass beim Übergang von der Jugendhilfe zu einem anderen Sozialleistungsträger der Träger der öffentlichen Jugendhilfe für die rechtzeitige Einbindung des jeweils anderen Sozialleistungsträgers verantwortlich ist. Allerdings ist es unbedingt notwendig in diesem Paragraphen auch das Thema Beteiligung konkret zu erwähnen. Außerdem möchten wir Abstand nehmen von der Defizit- und hin zur Ressourcenorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe. Es geht beim Übergang in die Selbständigkeit nicht darum in das nächste Hilfesystem einzutreten, sondern darum selbständig zu werden. Deswegen muss das auch möglich sein und zwar dadurch, dass begonnene schulische oder berufliche Ausbildung oder Freiwilligendienste beendet werden können. Das bedeutet, dass diese anerkannt werden, um Hilfe zu gewähren – ohne weitere besondere Begründung und ohne Kraftaufwand.

Das sind nur zwei unserer Punkte, wenn ihr mehr über alle weiteren erfahren wollt, dann setzt euch gerne direkt mit uns in Verbindung (info@careleaver.de).

Die anwesenden Verbandsmitglieder waren mit vielen Veränderungen zufrieden und sehen Potential im Referentenentwurf. Es wurde jedoch auch viel konstruktive Kritik geäußert und Verbesserungsvorschläge eingebracht. Alles in allem war es eine produktive Anhörung.

Katharina Treyer, Referentin Koordinierungsstelle Careleaver e.V.

Interview mit Lee, Teilnehmer*in beim Regional-Gruppen-Treffen des Careleaver e.V. in Frankfurt:

Weshalb möchtest du eine Regionalgruppe in Kassel gründen?

Ich möchte in Kassel eine Regionalgruppe gründen, weil ich in den letzten Monaten gemerkt habe, dass mir der Zugang zu einem nicht weit entfernten Ort fehlt, an dem ich mich mit Menschen austauschen kann, die wie ich in der Jugendhilfe aufgewachsen sind.

Eine Regionalgruppe könnte nicht nur mir, sondern auch anderen Careleavern die Möglichkeit geben, in Austausch zu kommen, sich gegenseitig zu unterstützen und eventuell auch in Kassel gesellschaftlich Dinge zu thematisieren und zu verändern, was die Jugendhilfe angeht.

Was hast du am Wochenende mitgenommen, das dir bei der Gründung einer Regionalgruppe helfen kann?

Ich habe auf jeden Fall mitnehmen können, dass der Wunsch nach einer Regionalgruppe in Kassel sehr groß ist, weshalb ich erstens die Zuversicht habe, dass die Regionalgruppe Menschen aus der Jugendhilfe erreichen wird, was super ist. Aus den Arbeitseinheiten selbst habe ich gelernt, wo man eventuell eine Räumlichkeit für Treffen bekommt, welche Schritte man überhaupt erstmal einleiten muss, um eine funktionierende Regionalgruppe zu gründen und was man als Team bedenken muss, um Konflikte zu vermeiden. Dabei hilft zum Beispiel, dass man Regeln festlegt, die transparent sind und die konsequent befolgt werden und es ist wichtig, in der Gruppe feste Aufgaben zu verteilen und zu schauen, ob jede*r die Aufgaben auch bewältigen kann, zum Beispiel, wenn es um Finanzen geht.

Generell hat mir das Wochenende einen sehr klaren Blick auf die Gründung einer Regionalgruppe verschafft und ich freue mich, wenn es bald mit der Planung losgeht!

Lee ist 19 Jahre alt, studiert Bildende Kunst und lebt derzeit noch in einer Pflegefamilie