Careleaver* Kollektiv Leipzig positioniert sich zur aktuellen integrierten Kinder- und Jugendhilfeplanung

Aus Sicht von Careleaver*innen ist die aktuelle integrierte Kinder- und Jugendhilfeplanung in Leipzig unzureichend. Deshalb fordert der Beirat des Careleaver* Kollektivs Leipzig in einer Stellungnahme, das Thema Leaving Care dort besser zu verankern.

Die kommunale Kinder- und Jugendhilfeplanung ist ein wichtiges Planungs- und Steuerungselement für künftige Hilfen. Das Careleaver Kollektiv Leipzig will sich mit der Stellungnahme aktiv in die anstehenden Diskussionsprozesse einmischen und Impulse für die anstehenden Beschlussverfahren geben, um das kommunale Übergangsmanagement für Careleaver*innen in Leipzig voranzutreiben.

Auch in Leipzig ansässige Mitglieder des Careleaver e.V. unterstützen dieses Engagement aktiv auf kommunaler Ebene.

Stellungnahme zur iKJHP Beirat Careleaver Kollektiv Leipzig Feb21

Neues Positionspapier fordert Bildungsgerechtigkeit

Mit dem Entwurf des neuen Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes besteht derzeit die Hoffnung, dass auch Deutschland sich dafür entscheidet, jungen Menschen einen guten und stabilen Start ins Erwachsenenleben zu ermöglichen, die nicht das Privileg haben, auf eine funktionale Herkunftsfamilie zurückgreifen zu können.

Ein wichtiger Knackpunkt ist dabei, ob die Hilfen für über 18-Jährige nur gewährt werden, wenn die jungen Volljährigen Defizite aufweisen. Oder ob – im Gegenteil – gerade eine positive Entwicklung, zum Beispiel ein angestrebter höherer Bildungsabschluss, nicht vielmehr ausschlaggebend dafür sein sollte, ob weiter Hilfe gewährt wird.

Sowohl bei unserer Anhörung im Bundestag als auch in der dazu veröffentlichten Stellungnahme, haben wir ausführlich auf die Fallstricke aufmerksam gemacht, die im bisherigen Gesetzesentwurf im Zusammenhang mit § 41 (Hilfen für junge Volljährige) bestehen.

Ausschlaggebend dafür, ob künftig mehr jungen Erwachsenen „Hilfen über 18“ gewährt werden, ist, ob es sich dabei um eine „Kann“- oder um eine „Soll“-Regelung handelt.

Leider geht die aktuelle Empfehlung des Bundesrats hier nun in die entgegengesetzte Richtung und droht die aktuell häufig rechtswidrige Praxis, jungen Menschen Hilfe vorzuenthalten, zu legalisieren.

Der Bundesrat empfiehlt im Zusammenhang in § 41 Abs. 1 S. 1 SGB VIII-E das Wort „gewährleistet“ durch die Wörter „erwarten lässt“ zu ersetzen. Mit folgender Begründung: „Die Hilfe für junge Volljährige ist verbindlicher ausgestaltet. Die gewählte Formulierung verdeutlicht, dass nicht in der Mehrzahl der Fälle generalisierend eine weitere Hilfe erforderlich ist, sondern jeder Einzelfall zu prüfen ist.“

Sollte der Bundestag dieser Empfehlung folgen, steht zu befürchten, dass zukünftig noch mehr junge Menschen mit ihrem 18. Geburtstag sich selbst überlassen werden. Damit würde das Gegenteil der ursprünglichen Intention des Gesetzesentwurfes erreicht.

Der Careleaver e.V. bekräftigt in seinem aktuellen Positionspapier seine Forderung nach gerechten Bildungschancen für Careleaver. Dies erfordert eine Umkehr von der defizitorientierten hin zur ressourcenorientierten Jugendhilfe und schließt die Forderung nach einem eigenen Rechtstatus für Careleaver mit ein.

Wir fordern, dass künftig niemand seinen Abschluss gefährdet, weil er*sie kurz vor  dem Abitur oder Ausbildungsabschluss die Jugendhilfe verlassen muss.

Wir fordern, dass Careleaver von ihren leiblichen Eltern freigestellt werden und damit zum Beispiel bei der Beantragung von Bafög oder Ausbildungshilfen nicht mehr auf die aktive Mitarbeit ihrer Eltern angewiesen sind.

Zudem könnten so Careleaver endlich von Unterhaltsleistungen für ihre leiblichen Eltern befreit werden – nicht ohne Grund haben Sie schließlich nicht bei ihnen, sondern in der stationären Jugendhilfe gelebt.Positionspapier_2021_02

SGB VIII Reform – Careleaver zeigen Gesicht

Am 22. Februar berät der Familienausschuss über den Entwurf des neuen Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes. Wir sind der Meinung, die Kostenheranziehung muss weg. Sie setzt in einer sensiblen Phase des Übergangs die falschen Anreize. Sie ist unsinnig, weil der dafür betriebene Verwaltungsaufwand nicht im Verhältnis zu den dadurch eingenommenen Geldern steht. Vor allem aber ist sie ungerecht. Weil sie ausgerechnet die jungen Menschen zusätzlich benachteiligt, die aufgrund ihrer Herkunft auf dem Weg in die Selbständigkeit zahlreiche Hindernisse zu überwinden haben.

Digitales Plätzchenbacken und andere Weihnachtsaktionen

Während den Weihnachtsfeiertagen veranstaltete der Care Leaver e.V. verschiedene Online-Angebote. Ziel war es, trotz der entfallenen Präsenz-Weihnachtsfeier, Gemeinschaft und Austausch untereinander zu ermöglichen.

Unter anderem fand am vierten Advent ein digitales Plätzchen backen statt.

Damit wirklich jede*r mitmachen konnte, wurden vorab möglichst viele unterschiedliche Rezepte gesammelt und an alle Interessierten gesendet.

Anschließend wurden sich gegenseitig per Post kleine Kostproben zugeschickt und per Videochat gemeinsam verspeist.

Es ergab sich trotz Onlineformat die Gelegenheit, dass neue Gesichter alte Mitglieder in entspannter Runde besser kennenlernten. Außerdem entstand spontan ein Spielenachmittag. Auch wenn leider nicht alle gängigen Gesellschaftsspiele über die Distanz funktionierten, wurden Klassiker wie „Kniffel“ oder „Stadt, Land, Fluss“ online mit Erfolg und jeder Menge Spaß getestet.

Kim, 19 Jahre, aus Stuttgart

Sehr geehrte Frau Merkel…offener Brief an die Bundeskanzlerin

Die aktuelle Corona-Verordnung berücksichtigt zu wenig, dass nicht alle Menschen eine Familie haben, mit der sie Weihnachten feiern können. Schätzungsweise eine Million Careleaver haben das in Deutschland nämlich nicht. Viele von uns haben zwischenzeitlich Ersatzfamilien gefunden, wie beispielsweise gute Freunde und/oder andere Careleaver. Doch die ausschließliche Berücksichtigung von klassischen Familien im Beschluss der Bund-Länder-Konferenz verbietet es Careleavern, mit den für sie so wichtigen Menschen die Weihnachtstage zu verbringen.

Deshalb haben wir einen „offenen Brief“ an unsere Bundeskanzlerin verfasst.  Als Interessenvertretung von Careleavern in Deutschland fordert der Careleaver e.V. diese Regelung zu überdenken und bei künftigen Corona-Beschlüssen dafür zu sorgen, dass Menschen, die ohne Familie zurechtkommen müssen, nicht vergessen werden.

Offener Brief Bundeskanzlerin_Careleaver eV

Ronneburg-Tagung findet online statt!

Mitbestimmung- und Beteiligungsrechte junger Menschen in Jugendhilfeeinrichtungen in Hessen stärken, das ist das Ziel der jährlich stattfindenden Ronneburg-Tagung, wo auch der Landesheimrat Hessen gewählt wird.

Nachdem die Tagung im letzten Jahr ganz ausfiel, laden die Organisatoren jetzt zur ersten Online-Tagung ein, die von 18:00-20:00 Uhr zwischen dem 13. Januar und dem 25. Februar 2021 stattfinden wird. Der Careleaver e. V. freut sich, dass auch ein Workshop zum Thema „Leaving Care“ angeboten wird.

Das ausführliche Programm sowie alle Infos, wie und wo ihr euch dazu anmelden könnt, findet ihr hier:

RonneburgOnline_Prorgamm

Careleaver e.V. heute als Sachverständiger im Bundestag

Unsere Vorstandsvorsitzende Ruth Seyboldt ist heute als Sachverständige in Familienausschuss des Bundestages berufen. Es liegen zwei Fraktionsanträge zum Thema „Wohnungslosigkeit bei Kindern und Jugendlichen“ vor, über die mehrere Expert*innen im Rahmen einer öffentlichen Anhörung informieren und ihre Sicht auf die Problematik einbringen werden.

Einer der Anträge trägt den Titel: „Sofa-Hopping ist keine Perspektive – Strategien gegen Wohnungslosigkeit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.“ Nein, Sofa-Hopping ist in der Tat keine Perspektive. Kommt aber unserer Erfahrung nach unter Careleavern viel zu häufig vor. Gründe dafür gibt es viele. Zumeist lassen sie sich aber mit einer der beiden Hintergründe erklären: Zum einen entscheiden sich junge Menschen bewusst gegen eine Betreuung über die Jugendhilfe und für die Wohnungslosigkeit. Sie haben  die Erfahrung gemacht, dass in diesem System ihre Bedürfnisse nicht wahr- und ernstgenommen werden. Zugleich ist eine Rückkehr in die Herkunftsfamilie keine Option.

Zum anderen gibt es aber auch die jungen Menschen, die die Jugendhilfe in die Selbständigkeit verlassen wollen oder müssen, aber schlicht keinen für sie finanzierbaren Wohnraum finden. Denn der Druck auf dem Wohnungsmarkt ist groß. Insbesondere in den Städten fehlt es an bezahlbaren Wohnungen. Careleaver konkurrieren auf dem angespannten Wohnungsmarkt mit jungen Menschen, deren Eltern die Kaution übernehmen und für Mietausfälle bürgen.

Careleavern fehlt es an finanziellen Ressourcen – der Abschluss der beruflichen Ausbildung und der Beginn der Erwerbsarbeit liegen häufig noch in der Zukunft. Auch ihr soziales Netz an Menschen, die für sie Wohnraum akquirieren könnten, ist begrenzt. Und: Sie sind von vielfältigen Formen der Stigmatisierung betroffen, was dazu führt, dass „erwachsene“ Mieter (im Sinne von finanziell unabhängig) häufig bevorzugt werden.

Es darf nicht akzeptiert werden, dass so viele junge Menschen in der Wohnungslosigkeit landen. Wohnungslosigkeit setzt eine ganze Reihe von Mechanismen in Gang, die in Bezug auf den beruflichen und schulischen Werdegang für das ganze Leben prägend sein können.

Der Careleaver e.V. fordert, dass die Jugendämter ihre Zuständigkeit über die Volljährigkeit hinaus anerkennen, und dass das junge Erwachsenenalter als eigenständige Lebensphase anerkannt wird. Zum Beispiel könnten sogenannte Lotsen dabei helfen, sich im Hilfe-Dschungel beim Übergang zurechtzufinden und somit ein Abrutschen in die Wohnungslosigkeit verhindern.