Careleaver e.V. heute als Sachverständiger im Bundestag

Unsere Vorstandsvorsitzende Ruth Seyboldt ist heute als Sachverständige in Familienausschuss des Bundestages berufen. Es liegen zwei Fraktionsanträge zum Thema „Wohnungslosigkeit bei Kindern und Jugendlichen“ vor, über die mehrere Expert*innen im Rahmen einer öffentlichen Anhörung informieren und ihre Sicht auf die Problematik einbringen werden.

Einer der Anträge trägt den Titel: „Sofa-Hopping ist keine Perspektive – Strategien gegen Wohnungslosigkeit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.“ Nein, Sofa-Hopping ist in der Tat keine Perspektive. Kommt aber unserer Erfahrung nach unter Careleavern viel zu häufig vor. Gründe dafür gibt es viele. Zumeist lassen sie sich aber mit einer der beiden Hintergründe erklären: Zum einen entscheiden sich junge Menschen bewusst gegen eine Betreuung über die Jugendhilfe und für die Wohnungslosigkeit. Sie haben  die Erfahrung gemacht, dass in diesem System ihre Bedürfnisse nicht wahr- und ernstgenommen werden. Zugleich ist eine Rückkehr in die Herkunftsfamilie keine Option.

Zum anderen gibt es aber auch die jungen Menschen, die die Jugendhilfe in die Selbständigkeit verlassen wollen oder müssen, aber schlicht keinen für sie finanzierbaren Wohnraum finden. Denn der Druck auf dem Wohnungsmarkt ist groß. Insbesondere in den Städten fehlt es an bezahlbaren Wohnungen. Careleaver konkurrieren auf dem angespannten Wohnungsmarkt mit jungen Menschen, deren Eltern die Kaution übernehmen und für Mietausfälle bürgen.

Careleavern fehlt es an finanziellen Ressourcen – der Abschluss der beruflichen Ausbildung und der Beginn der Erwerbsarbeit liegen häufig noch in der Zukunft. Auch ihr soziales Netz an Menschen, die für sie Wohnraum akquirieren könnten, ist begrenzt. Und: Sie sind von vielfältigen Formen der Stigmatisierung betroffen, was dazu führt, dass „erwachsene“ Mieter (im Sinne von finanziell unabhängig) häufig bevorzugt werden.

Es darf nicht akzeptiert werden, dass so viele junge Menschen in der Wohnungslosigkeit landen. Wohnungslosigkeit setzt eine ganze Reihe von Mechanismen in Gang, die in Bezug auf den beruflichen und schulischen Werdegang für das ganze Leben prägend sein können.

Der Careleaver e.V. fordert, dass die Jugendämter ihre Zuständigkeit über die Volljährigkeit hinaus anerkennen, und dass das junge Erwachsenenalter als eigenständige Lebensphase anerkannt wird. Zum Beispiel könnten sogenannte Lotsen dabei helfen, sich im Hilfe-Dschungel beim Übergang zurechtzufinden und somit ein Abrutschen in die Wohnungslosigkeit verhindern.