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Gemeinsam mit dem Bündnis @kuerzennichtmituns waren Marie @notpechmarie und Geoffrey @geo8299 am 20.06. in Kassel auf der Straße. Sie haben gegen die Sparmaßnahmen im sozialen Bereich protestiert.
Überall wird gekürzt: bei der öffentlichen Daseinsvorsorge, in der Pflege, bei Teilhabeleistungen für Menschen mit Behinderung und bei jungen geflüchteten Menschen. Eine der wichtigsten Errungenschaften der Kinder- und Jugendhilfe steht auf dem Spiel: § 41a SGB VIII, der jungen Volljährigen über den 18. Geburtstag hinaus Unterstützung ermöglicht.
Was auf dem Papier nach einer abstrakten Zahl aussieht, trifft Menschen genau dort, wo sich ihre Zukunft entscheidet. Es ist der Anruf mit 20, wenn in der ersten eigenen Wohnung plötzlich die Waschmaschine streikt. Es ist die Person, die noch einmal über den BAföG-Antrag schaut oder erklärt, wie man Waisenrente beantragt. Es ist jemand, der weiß, worauf man bei einem Mietvertrag achten muss oder einen zur ersten Wohnungsbesichtigung begleitet.
Es ist aber auch der Mensch, der weiß, was man schon alles geschafft hat – und einen daran erinnert, wenn man selbst gerade nicht weiter weiß. Jemand, der nach einer Absage sagt: „Das war nicht die erste Schwierigkeit, die du gemeistert hast.“ Der nach einer Prüfung anruft und fragt, wie das Vorstellungsgespräch gelaufen ist. Es braucht Ressourcen für Menschen, die Erfolge sehen und Rückschläge gemeinsam tragen.
In Wohngruppen, Pflegefamilien und Jugendhilfeeinrichtungen zeigen Menschen jeden Tag, was solidarisches Zusammenleben bedeutet: Unbekannte werden zu Freund:innen, Kinder und Jugendliche erfahren Verlässlichkeit, Unterschiede werden wertgeschätzt und Konflikte gemeinsam gelöst. Das ist gelebte Demokratie. Sie beginnt dort, wo Menschen erleben, dass ihre Zukunft wichtig ist, dass ihr Leben zählt.
Eine fortschrittliche Gesellschaft erkennt man nicht an ihrer Sparsamkeit, sondern daran, wie sie für Kinder und Jugendlichen sorgt. An der Jugendhilfe zu sparen ist keine Haushaltsentscheidung. Es ist eine politische Entscheidung darüber, welche Zukunft wir wollen. Danke für eure klaren Worte, Marie und Geoffrey! #kinderundjugendhilfe #kürzungenstoppen #careleaver
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Wie gestalten wir sichere Übergänge in die Selbstständigkeit, wenn familiäre und finanzielle Auffangnetze fehlen?
Mit dieser zentralen Frage beschäftigte sich die Fortbildung der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH) am 16. und 17. Juni in Hannover. Unter dem Titel „Übergänge für junge Volljährige gut begleiten – auch an den Schnittstellen zu anderen Leistungssystemen“ kamen engagierte Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendhilfe zusammen, um über Übergänge zu sprechen.
Laura und Tessa waren für uns als Referentinnen eingeladen, um am ersten Fortbildungstag gemeinsam mit Britta Sievers die Problematik beim Übergang aus dem Hilfesystem zu thematisieren. Aus der Perspektive der Selbstvertretung machten sie deutlich, was die Fachdebatte für die Lebensrealität von Careleaver*innen konkret bedeutet. Sie sprachen über Hürden, die ohne familiäre oder finanzielle Rücklagen oft unüberwindbar scheinen: Sei es die zwingend notwendige Wohnungsbürgschaft für den ersten eigenen Mietvertrag, die Finanzierung des Führerscheins für den Berufseinstieg oder schlichtweg das Fehlen einer verlässlichen Vertrauensperson außerhalb des Systems.
Am zweiten Tag legte Rechtsanwalt Benjamin Raabe den Fokus auf die juristische Seite. Er beleuchtete die komplexen rechtlichen Rahmenbedingungen, die Schnittstellen zu anderen Sozialgesetzbüchern und die konkreten Ansprüche, die junge Menschen im Übergang haben und die es in der Praxis entschlossen einzufordern gilt. Auch hier gilt: Rechte sollten nicht mühsam erkämpft werden müssen. Sie müssen selbstverständlich gelebt und institutionell abgesichert werden.
Herzlichen Dank an die IGfH für die Einladung, die wertschätzenden Begegnungen und die Möglichkeit, unsere Perspektiven einzubringen. Es war ein sehr spannender Austausch mit engagierten Fachkräften, die ehrliches Interesse an der Perspektive von Careleaver*innen gezeigt haben.
#careleaver #leavingcare #jugendhilfe #selbstvertretung #chancengerechtigkeit
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Wie gelingt uns eine Kinder- und Jugendhilfe, die Menschen stärkt, Zukunftsmöglichkeiten eröffnet und sichere Perspektiven schafft?
Mit dieser Frage beschäftigte sich der Fachtag zum 50-jährigen Jubiläum der Backhaus Kinder- und Jugendhilfe, zu dem wir am 4. Juni eingeladen waren.
Den Auftakt bildete ein Vortrag von Prof. Dr. Paul Mecheril, der zentrale Ergebnisse seiner Studie zu den Gelingensbedingungen professioneller pädagogischer Praxis vorstellte. Auch in den anschließenden Fachvorträgen wurde deutlich, wie wichtig stabile Beziehungen und Strukturen für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sind. Dr. Nicole Strüber @nicolestrueber erläuterte anschaulich, wie frühkindliche Erfahrungen das Gehirn prägen und welche Bedeutung sichere Bezugspersonen für die Verarbeitung belastender und traumatischer Erfahrungen haben. Die Botschaft war klar: Entwicklung ist möglich – wenn Menschen verlässliche Beziehungen und Unterstützung erfahren.
In der anschließenden Podiumsdiskussion sprachen @lukas_careleaver_nrw und @ira_bk gemeinsam mit Fachkräften, Wissenschaft und Praxis darüber, was Kinder und Jugendliche brauchen. Wir wünschen uns eine Soziale Arbeit, die demokratische Werte stärkt und sich klar gegen Diskriminierung, Ausgrenzung, Gewalt und soziale Ungleichheit positioniert. Gleichzeitig braucht es politische Verantwortung und ausreichende Ressourcen, damit gute Kinder- und Jugendhilfe überhaupt möglich ist. Ein zentraler Gedanke des Tages lautete: Change the system, not the child. Gelingende Kinder- und Jugendhilfe bedeutet, nicht Kinder und Jugendliche als Problem zu sehen, sondern die eigenen institutionellen Strukturen kritisch zu hinterfragen, die Selbstbestimmung und Veränderung erschweren. Rechte sollten nicht eingefordert werden müssen. Sie müssen selbstverständlich gelebt werden.
Herzlichen Dank für die Einladung, die wertschätzenden Begegnungen und die Möglichkeit, unsere Perspektiven einzubringen. Der Tag hat gezeigt, wie wichtig der gemeinsame Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Erfahrungsexpertise ist – und wie viel wir voneinander lernen können.
#sozialegerechtigkeit #selbstvertretung #sozialearbeit
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